
Wie Herbert Diess Syntegration® nutzte, um Volkswagen durch die größte Transformation der Automobilgeschichte zu führen — und was diese Methode von konventionellen Ansätzen unterscheidet.

Wenn der CEO des größten Automobilkonzerns der Welt eine Methode als "einzigartig und effektiv" bezeichnet, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, hat in einem vielbeachteten LinkedIn-Beitrag offen beschrieben, wie er Syntegration® als zentrales Führungsinstrument eingesetzt hat – in einer der größten Unternehmenstransformationen der Wirtschaftsgeschichte
Volkswagen ist kein gewöhnliches Unternehmen. Über 11 Millionen Fahrzeuge jährlich, 12 Marken, 670.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit, ein Eigentümerstruktur mit Familie, Land Niedersachsen und starkem Gewerkschaftseinfluss – und ein Management, das über Jahrzehnte auf internen Wettbewerb konditioniert wurde.
Als Diess 2015 sein Amt antrat, stand VW inmitten des Dieselskandals und gleichzeitig vor der tiefgreifendsten Transformation der Automobilindustrie: Elektrifizierung, Digitalisierung, neue Wettbewerber wie Tesla. Unterschiedlichste Interessenslagen, politische Agenden und gewachsene Strukturen machten das Projekt noch komplexer.
Die entscheidende Frage: Wie bringt man einen Konzern dieser Größe dazu, jetzt umzudenken – trotz heutiger Erfolge, trotz verkrusteter Strukturen, trotz unterschiedlichster Stakeholder?
Diess griff auf ein Instrument zurück, das er bereits in früheren Führungssituationen eingesetzt hatte: die Syntegration®von Professor Fredmund Malik.
In seinem LinkedIn-Beitrag beschreibt er die Methode so:
"Mit ihr schafft man es, komplizierte Themen in großen und komplexen Unternehmen mit den entscheidenden Stakeholdern zu durchdringen und effizient zu bearbeiten. Die Teilnehmer analysieren die Situation, diskutieren und verabschieden gemeinsam eine Strategie – tragen sie gemeinsam in das Unternehmen und setzen sie um."
Zwei konkrete Einsätze beschreibt Diess im Detail:
Was müssen wir in den nächsten drei bis sechs Monaten sichtbar tun, um unsere Krise als Startrampe in unsere neue automobile Zukunft zu nutzen?
Das Ergebnis war die Grundlage für "Transform 2025 – die Strategie für New Volkswagen". Fünf Jahre später, so Diess, wurden die erarbeiteten Maßnahmen so konsequent umgesetzt wie selten zuvor in seiner Karriere — darunter die Entscheidung für eine eigene Elektro-Plattform (MEB), auf der heute zehn Modelle von fünf Marken basieren.
Fünf Jahre später, mitten in der Corona-Pandemie, organisierte Diess einen zweiten Workshop – diesmal mit 31 Top-Führungskräften von Volkswagen, Audi und Porsche. Die Eröffnungsfrage:
Was müssen wir in den nächsten 6 Monaten erreicht haben, damit wir Tesla bis 2024 technisch einholen?
Das Ergebnis: forcierter Ausbau der Software-Kompetenz, die Gründung von Artemis – einer Organisation außerhalb der bisherigen Konzernstrukturen – und die Bündelung der Kräfte bei Audi unter Markus Duesmann.
Diess bringt es auf den Punkt: Mit konventionellen Verfahren kommt man auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Mit Syntegration® auf das optimale gemeinsame Ergebnis.
Der Unterschied liegt in der Struktur der Methode: Syntegration® wurde von Professor Stafford Beer auf Basis kybernetischer Prinzipien entwickelt und von Professor Fredmund Malik zur Managementmethode weiterentwickelt. Die Teilnehmer – typischerweise zwischen 10 und 42 Personen – werden so vernetzt, dass die kollektive Intelligenz der Gruppe optimal freigesetzt wird. Keine Hierarchie dominiert, kein Meinungsführer blockiert, kein Kompromiss verwässert das Ergebnis.
Das schafft etwas, das in komplexen Organisationen selten ist: eine gemeinsame Situationseinschätzung, einen gemeinsamen Plan und echtes Commitment zur Umsetzung.
Gerade in Unternehmen mit komplexen Machtverhältnissen – wie Diess es bei VW erlebt hat – ist genau das die entscheidende Voraussetzung für erfolgreiche Transformation.
Die Herausforderung, vor der Diess bei VW stand, ist keine Ausnahme. Viele große Organisationen stehen vor ähnlichen Fragen: Wie durchdringt man komplexe Themen mit den richtigen Stakeholdern? Wie schafft man echtes Commitment statt oberflächlicher Zustimmung? Wie setzt man eine Strategie um, die wirklich getragen wird?
Syntegration® ist keine Methode für einfache Entscheidungen. Sie ist ein Instrument für genau jene Situationen, in denen konventionelle Ansätze an ihre Grenzen stoßen – wenn die Komplexität zu groß, die Stakeholder zu divers und die Konsequenzen zu weitreichend sind.
Lesen Sie den vollständigen LinkedIn-Beitrag von Herbert Diess hier
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